Angewandte Synergetik – auch für Pippi Langstrumpf?

Die Botschaft, die Astrid Lindgren mit dieser Figur 1944 gegen
Ende des Zweiten Weltkrieges millionenfach in die Welt gebracht
hat, ist einfach nachvollziehbar und richtig: zu zeigen, dass Kinder
sehr wohl aufgrund ihrer Wünsche und Ideen ein eigenes Lebenskonzept
aufbauen wollen. Wenn man sie es denn – wie bei Pippi –
ausprobieren lässt. Als Erwachsene sind sie dann fähig, eine bessere
Welt aufzubauen, so wohl Lindgrens geniale Idee.
Doch dazu musste Astrid Lindgren ihre Figur Pippi zu einer
Waisen machen. Etwa weil sie wusste, dass zur damaligen Zeit und
teilweise auch noch heute Eltern wenig Vertrauen in die Wünsche
und Vorstellungswelt ihrer Kinder haben? Die Willensfreiheit, die
Immanuel Kant im 18. Jahrhundert anmahnte, war nur für Erwachsene
gedacht. Was Wunder – Kant war ja bekanntlich kinderlos. Wie
aber sollen Kinder Willensfreiheit entwickeln können, wenn sie in
der Kindheit nicht eingeübt wird und die Eltern ihre Sprösslinge
dabei auch nicht unterstützen?
Deshalb also muss Pippi ein Waisenkind sein, unbehelligt von
Eltern, die ihre Freiheit beschneiden könnten. Das Problem dabei
ist, dass Pippi, wenn sie das wunderbare Gefühl der Freiheit an die
Zukunft – an ihre eigenen Kinder – hätte weitergeben wollen, sie
dabei in Schwierigkeiten geraten wäre. Weil Pippi zu wenig Vorstellungen
von Familie in sich hätte aktivieren können. Als Waise fehlte
ihr die Prägung dazu. Ohne die Tochter einer Mutter gewesen zu
sein, wird sie sich schwer tun, die Mutter einer Tochter zu sein.


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